LZ-Leserbrief zum Attentat auf Antifaschisten

Der folgende Leserbrief wurde in der Landeszeitung vom heutigen 7. September nur stark gekürzt wiedergegeben.

Hier gibt’s die Vollversion:

Opfer wird zum Täter…

„LZ-Lesertelefon“, LZ vom 01./02.Sept. .2012

Sehr geärgert habe ich mich über den Beitrag von Herrn Gerhard Hoene zum Attentat auf Olaf Meyer und die Berichterstattung der Landeszeitung zu diesem eklatanten Vorfall. In allen Veröffentlichungen wird durch relativierende Formulierungen der Zweifel geschürt, ob die Messerattacke denn überhaupt stattgefunden hat: „nach eigener Darstellung…“, „wie er es sieht“… Es versteht sich von selbst, dass niemand anderer als das Opfer eines feigen Anschlages selbst darüber berichten kann – es sei denn, die Täter geben Auskunft, womit aber ja nicht zu rechnen sei. Die Polizei muss in jedem Fall ermitteln. Denn es handelt sich um ein Kapitaldelikt, einen Mordanschlag, den Olaf Meyer zum Glück abwehren konnte.

Den Vogel abgeschossen hat aber Herr Gerhard Hoene. Ausgerechnet der Außenstellenleiter einer Opferschutzorganisation verurteilt als einzigen das Opfer und nicht die Täter!!! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Da scheint der Herr Hoene ein krankhaftes Verhältnis denjenigen gegenüber zu haben, die sich den Nazis entgegenstellen – und dies im Fall von Olaf Meyer schon seit den 80er Jahren. Allein dies sollte nicht nur bei mir Hochachtung hervorrufen. Herr Hoene, vielleicht hätten Sie einfach mal das direkte Gespräch mit Herrn Meyer gesucht, um zu erfahren, warum er so kategorisch die Zusammenarbeit mit der Polizei ausschließt, bevor Sie Ihre Vorverurteilung in der Zeitung herausposaunen.

Dann hätten Sie vielleicht erfahren, dass gerade bei linken Organisationen und Menschen oftmals Opfer zu Tätern gemacht werden –oder genau so schlimm für die Betroffenen– ihnen schlicht nicht geglaubt oder die Tat relativiert wird.

So geschehen bei einem Anschlag auf unseren Jugend-Laden vor nicht einmal einem Monat. Die Kripobeamtin vom Staatsschutz schloss eine rechte Täterschaft sofort aus. Aber: An der Kreuzung, an der unser Jugendverband, die Sozialistische Jugend ihren Jugendraum hat, gibt es insgesamt 3 Ladenlokale mit 8 großen Schaufensterscheiben. Es sind nun schon zum zweiten Mal Steine, resp. Gullideckel in eine unserer Scheiben geflogen. Es ist schon erstaunlich, dass der Zusammenhang zu rechten Tätern dabei so verneint wird. Finden Sie nicht auch, Herr Hoene.

Nicht zuletzt tragen Sie mit Ihrer Meinungsäußerung genau zu so einem Klima bei. Verurteilen Sie lieber die Angst verbreiten wollenden rechten Umtriebe und stellen Sie sich gemeinsam mit mir und vielen anderen Menschen vor die Opfer rechter Gewalt. Damit wäre dem Ziel Ihrer Organisation mehr Glaubwürdigkeit verliehen, als mit Ihrem bisherigen Beitrag.

Georg Gunkel-Schwaderer
Bildungsreferent beim Jugendverband
SJD-Die Falken in Nordniedersachsen

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