9. November: Gedenkrundgang zu Stolpersteinen in Lüneburg

Die meist jungen Antifaschist:innen reinigen, polieren die Stolpersteine und Gedenken der Opfer des Nazi-Regimes

Am 09. November 1938 rief das NS Regime die SS und SA dazu auf, jüdische Wohnhäuser, Geschäfte und Synagogen zu verwüsten und in Brand zu stecken, mit dem Ziel brutal Schaden anzurichten, Juden zu inhaftieren, zu misshandeln und zu ermorden.

Hilfe, Hinnahme, Ignoranz oder gar mehr oder weniger leise Zustimmung der nicht-jüdischen Bevölkerung trugen dazu bei, dass die Nazis die Ausschreitungen dieser Nacht so generalstabsmäßig reichsweit organisieren und durchführen konnten.

Um den Opfern der Reichspogromnacht zu gedenken, organisiert die Salt City Antifa Lüneburg in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung einen jährlichen Stadtrundgang durch Lüneburg, bei dem die individuellen Schicksale der Lüneburger Juden während des 2. Weltkrieges erinnert und ihre Stolpersteine geputzt werden.

Auch in diesem Jahr war Treffpunkt das InfoCafé „Anna & Arthur“, so dass am letzten Dienstag, dem 9. November 2021 um 19.00 Uhr interessierte Lüneburger am Standrundgang teilnehmen konnten. Unter dem Motto „Kein Vergeben, kein Vergessen!“ wurden kleine Texte zu den jeweiligen Verfolgten des Naziregimes verlesen sowie die Stolpersteine gereinigt und poliert. Mit mehr als 70 Teilnehmer:innen war diese Veranstaltung sehr gut besucht.

Hinter dieser Tür lebte für nur sehr kurze Zeit Bernhard Filusch, der bereits in seinem 1. Lebensjahr, am 15. Juni 1942 ermordet wurde…

Wir haben uns als kleine Falken-Gruppe dem Gedenk-Rundgang angeschlossen, um die vorbereitete Route mit den Texten und die Stimmung auf uns wirken zu lassen. Die Atmosphäre war vor den Steinen und in Anbetracht der erfahrenen Schicksale sehr ruhig und andächtig, da die Informationen von allen aufgenommen und verarbeitet werden mussten. Trotzdem war auf dem Weg von Stolperstein zu Stolperstein auch noch Zeit die Texte auf sich wirken zu lassen, bevor das nächste individuelle Schicksal eines Menschen vorgestellt wurde.

Hier einige Stimmen aus der Falken-Gruppe:

Ich und wir waren sehr betroffen über die Schicksale dieser Lüneburger Menschen. Vor allem auch weil es zum Teil Kinder waren, die dort ermordet wurden!

„Mir lief es kalt den Rücken herunter, als ich an einem Stein plötzlich meinen Namen, an einem anderen den Vornamen einer Freundin hörte… Das hat mir noch mal vergegenwärtigt, wie nah uns diese Verfolgung geht… Wer weiß für wen in 50 oder 100 Jahren hier Stolpersteine liegen?! Deshalb: Wehret den Anfängen!!!“

„Ich habe richtig stark gespürt, wie erleichternd es war, wenn eines der geschilderten Schicksale nicht mit dem Tod in einem KZ geendet hat…“

Insgesamt fand ich es heute Abend eine sehr angenehme Stimmung, da es andächtig war, und trotzdem auf den Wegen normal geredet wurde…“

„Mich hat beeindruckt, wie viele Menschen bei dem Rundgang dabei waren, so dass andere Leute auf uns aufmerksam geworden sind und sich uns spontan angeschlossen haben oder von ihrem Fenster aus bei einem Stolperstein mitgehört haben.“

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