Utopie im Kurpark

Für Anfang Oktober planen Klimaaktivist*innen ein Camp im Lüneburger Kurpark. Sie wollen damit auf das Thema Klimagerechtigkeit aufmerksam machen.

„Ich brauche noch mehr Farbe“, sagt die Aktivistin Mika und verhindert gerade noch rechtzeitig, dass ihr Jackenärmel und der Pinsel kollidieren. Das Transparent ist fast fertig gemalt, ein wenig bunter soll es noch werden. „Global denken – lokal campen“, das Motto des ersten Klimacamps in Lüneburg, kann man darauf lesen.

Vom 08.10. bis zum 11.10. soll dieses Camp im südlichen Teil des Lüneburger Kurparks stattfinden, die Veranstalter*innen erwarten 200 bis 300 Teilnehmende. Gedacht ist es als eine Weiterbildungs- und Vernetzungsmöglichkeit, erzählt Robert, der wie Mika zu dem Organisator*innenkreis gehört. „Mehr als 25 Initiativen und Organisationen haben daran mitgewirkt.“

Vielfältiges Programm verknüpft politische Themen

Wirft man einen Blick in das Programm des Camps, findet man Workshops zu den Themen Ökologie, Gerechtigkeit und Kapitalismus, aber auch zu Antirassismus und sexueller Vielfalt. Außerdem Improvisationstheater und Schnupper-Klettern. Die Bildungsarbeit sei „ergänzend zu direkten politischen Aktionen“ ein wichtiger Bestandteil des Kampfs für eine klimagerechte Welt. „Klimagerechtigkeit hängt viel mit anderen politischen und sozialen Kämpfen zusammen, vor allem dem Kampf gegen Rassismus“, gibt Robert zu Bedenken. Denn schließlich seien die reichen Industrienationen die Hauptverursacher der jetzigen Krise, die Folgen aber würden hauptsächlich die Armen tragen.

Ausstoß an Treibhausgasen ungleich verteilt

Tatsächlich stellte die Hilfsorganisation Oxfam während der kürzlich stattgefunden UN-Vollversammlung eine Studie zu dem Thema vor, wie Kontrast.at berichtet. Demnach wird den reichsten ein Prozent der Bevölkerung mehr als doppelt so viel Ausstoß von Treibhausgasen zugerechnet als der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung.

Dass die Stadt und der Landkreis Lüneburg an der Klimakrise ihren Anteil haben, darauf wollen die Organisator*innen mit dem Camp hinweisen. So halte die Stadt immer noch Anteile an dem Energieanbieter Eon.Avacon, der in fossile Energien investiere. Durch Beteiligungen an der “Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH” und der „Gesundheitsholding Lüneburg GmbH“ sind das etwa 5 Prozent. Das muss sich dringend ändern, finden die Organisator*innen des Klimacamps.

„Markt der Möglichkeiten“ als Ideenschmiede

Robert und Mika haben während des Transparent-Malens noch weitere Ideen. „Eine fahrradgerechte Stadt und bessere Anbindungen von öffentlichen Verkehrsmitteln würden für weniger Autos in der Innenstadt sorgen.“, sagt Mika. Außerdem sei nachhaltiges Bauen und Bestandsnutzung ein immer größeres Thema, damit es nicht zu weiteren Flächenversiegelungen kommt. Dies seien schnell umsetzbare Möglichkeiten für mehr Klimagerechtigkeit. Für Robert geht es aber noch darüber hinaus: „Das Camp ist auch dafür da, den Weg zu einer Utopie jenseits von grünem Kapitalismus zu suchen. Eine Utopie, die einen Systemwandel erfordert.“

Neben dem Seminarprogramm soll es daher auch einen „Markt der Möglichkeiten“ geben, auf welchem sich die beteiligten Initiativen präsentieren und austauschen können. Damit sollen insbesondere junge Menschen, die ab Oktober anfangen in Lüneburg zu studieren, angesprochen werden.

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