Sep 11

Nazi-Anschlag auf Geflüchtetenunterkunft in Postmoor: “Die Betroffenen schweigen nicht, sie werden ignoriert”

Pressemitteilung der Falken Niederelbe zum Überfall auf die Geflüchteten im Postmoor (14.08.18)

SJ – Die Falken Niederelbe·Dienstag, 14. August 2018
 
Zur Relativerung und Umdeutung eines fremdenfeindlichen Angriffs In der Nacht auf den 08.08.2018 wurde die Geflüchtetenunterkunft in Bliedersdorf Ziel eines koordinierten Angriffs. Ein Schauer Ziegelsteine traf das Haus und durchschlug mehrere Fenster. Danach stürmten die Angreifer die Unterkunft und griffen die Bewohner mit Messern an. Dann flohen sie. Eine Geflüchteter wurde, von Messern getroffen, stark blutend ins Krankenhaus eingeliefert.
Der Angriff selbst ist schon als schlimm genug anzusehen und eigentlich hatten wir nur vor dazu eine Solidaritätserklärung zu veröffentlichen. Die nachfolgende Entwicklung veranlasste uns nun aber diese PM zu verfassen, um daraüberhinaus auf eklatante Verfehlungen der Polizei und (Lokal-)Presse hinzuweisen. Wir standen seit der Tatnacht mit Bewohnern der Unterkunft und Zeug*innen des Vorfalls in Verbindung und die bisherigen öffentlichen Darstellungen stellen sich als unhaltbar dar.
 
Unsere Kritik beginnt bei der Polizei, da diese die einzigen zu sein scheinen, die überhaupt selbst zu dem Überfall recherchiert haben, während alle anderen Veröffentlichungen lediglich aus dem Polizeibericht zitieren. Äußerst problematisch erscheint die erfolgte selektive Wiedergabe von Zeugenaussagen (der Bewohner). So wurden zwar Täterbeschreibungen veröffentlicht, jedoch der Hinweis auf fremdenfeindliche Parolen ignoriert. Wir haben persönlich mehrfach mit den Zeugen des Vorfalls gesprochen, diese gaben u.a. den erfolgten Ausruf: “Ich ficke alle Ausländer!” zu Protokoll. Auf Nachfrage wiesen sie daraufhin, dass dies auch den ermittelnden Beamten gegenüber ausgesagt wurde. Der Angriff wurde so seiner politischen, fremdenfeindlichen Dimension* beraubt, er wurde von Beginn an tendenziös dargestellt. Dem saß die Lokalpresse allzu schnell auf. Bisheriger negativer Höhepunkt war ein Artikel der “Kreiszeitung WOCHENBLATT” unter dem Titel “Überfall auf Flüchtlingsunterkunft: Polizei geht nicht von Fremdenfeindlichkeit aus”, vom 10.08.2018. Nicht nur wird der ganze Ablauf bagatellisiert (Steine “gegen das Haus” – statt durch die Fenster, “leicht verletzt” – statt stark blutend im Krankenhaus), auch wurde das Narrativ der Polizei (“Polizeisprecher Rainer Bohmbach sagt auf WOCHENBLATT-Nachfrage allerdings, dass nicht von einem fremdenfeindlichen Angriff ausgegangen werde.”) noch durch tendenziöse Fantasie ergänzt, sodass man nach alleiniger Lektüre dieses unsäglichen WOCHENBLATT-Artikels den Schluss ziehen müsste, hier handle es sich um einen krassen Fall von “Ausländerkriminalität”.
 
Fassungslos macht in diesem Kontext dann auch folgender Satz: “Die Betroffenen hüllen sich offenbar in Schweigen. ” Die Betroffenen schweigen nicht, sie werden ignoriert. Als wir vor Ort waren, waren sie jedesmal äußerst gesprächsbereit und gaben uns damit eigentlich erst den Anlass, diese PM zu schreiben. Die “Journalisten” beim WOCHENBLATT scheinen es aber nicht für nötig zu halten, selbst vor Ort zu recherchieren und nutzen diese Tatsache sogar noch um sie gegen die Angegriffenen zu wenden. Und auch die Polizei gibt zwar Verlautbarungen der Betroffenen wieder, aber auch nur jene die ihre äußerst fragwürdige Ermittlungshypothese nicht in Frage stellen.
Wir fordern eine sofortige Richtigstellung seitens des WOCHENBLATT und eine Begründung der Polizei, warum die Zeugenaussagen derart selektiv wiedergegeben wurden. Für uns liegt der Verdacht nahe, dass hier im vorauseilenden Gehorsam unbequeme Auseinandersetzungen mit dem Thema “Fremdenfeindlichkeit” und Gewalt gegen Geflüchtete in der Region ausgeklammert werden sollten. Seitens Teilen der Lokalpresse besorgt uns zudem die eklatante Missachtung grundlegendster journalistischer Standards. Zudem verweisen wir auf die von uns erstelle Chronik rechter Übergriffe in der Unterelberegion, deren schierer Umfang allen klarmachen sollte, wie drängend eine ernsthafte und konsequente Auseinandersetzung mit dem ausufernden Problem ist!
 
*Weitere starke Indizien für diese wären zudem das symbolträchtige Datum “8.8.” (88 steht in der rechten Szene für “Heil Hitler”), sowie die Zerstörung und anschließendes Anzünden einer mit antifaschistem Graffiti bemalten Holzwand, am nahegelegenen Baggersee in unmittelbarer Nähe zur Unterkunft – zeitlich, wie räumlich (das ergaben einige wenige Gespräche mit Anwohner*innen).
 
P.S.: Es gibt einen Unterschied zwischen Rassismus nationalsozialistischer Prägung, welcher einen “dunkelhäutigen” Menschen vermutlicht wirklich in jeder Hinsicht ausgeschloßen hätte und “einfacher” Fremdenfeindlichkeit, welche auch ohne konsequenten Verweis auf Rasse & Ethnie auskommt. Einige schwarze AfD’ler sind doch ein schönes zeitgenössisches Beispiel für letzteres.
 

 

(Quelle: Falken OV Niederelbe, Facebook-Auftritt: https://www.facebook.com/notes/sj-die-falken-niederelbe/pressemitteilung-der-falken-niederelbe-zum-%C3%BCberfall-auf-die-gefl%C3%BCchteten-im-post/2134862623419227/)

Sep 01

1. September – Antikriegstag in Lüneburg

Bei strahlendem Sonnenschein kamen heute gut 500 Menschen im Lüneburger Clamartpark zur Demonstration anlässlich des Antikriegstags zusammen. In zahlreichen Redebeiträgen wurden hierzu Bezüge zu einem Netz aus Themen hergestellt, die eines gemeinsam haben: Der Krieg ist längst im Gange! Ob nun als “heißer” Krieg mit Kriegswaffen, wie in Syrien oder als destabilisierter Konflikt, der immer wieder auch waffengewaltig wird, wie in Afghanistan oder dem Irak oder direkt vor unserer “Haustür” im Mittelmeer. Dort sterben täglich unzählige und viel zu viele Menschen, die nur eines wollen: LEBEN!

In den Redebeiträgen wurden Bezüge hergestellt, zu Kurdistan, zur unsicheren Situation in Afghanistan, zur meist totbringenden Flucht aus Afrika über das Mittelmeer aber auch zur Situation des immer weiter um sich greifenden Rechtsnationalismus und faschistoiden Parteien, sowie dem rechten Mob, der sich an immer mehr Orten blicken lässt.

So zahlreich die Redebeiträge und Problembeschreibungen, so vereint waren aber auch in allen Redebeiträgen die Appelle, jetzt auf- und zusammenzustehen, um der Rechtsentwicklung, sowie dem immer schärfer werdenden Konflikt zwischen Sicherheit und Demokratie gemeinsam entgegen zu wirken. Stellvertretend für diesen Punkt stand der Redebeitrag zum neuen, geplanten Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsgesetz (NPOG).

Hierzu wird es eine eigene Großdemo in einer Woche, am 08. September 2018 in Hannover geben!

Aug 27

Aufstehen gegen Rassismus – Festival in Uelzen 2018

Auch von Schietwetter lassen sich die Falken nicht abschrecken… So ungefähr war unser Gefühl, als wir unseren Stand auf dem Festival aufgebaut hatten und unsere Henna-Tattoo-Aktion für die wir vorher schon einiges vorbereitet hatten, startete…

Dank des DGB hatten wir sogar einen richtig wetterfesten, trockenen Platz zwischen der Bürgerinitiative Unweltschutz Lüchow-Dannenberg (“BI” und Treffort der Falken in Lüchow!) und dem Pavillon von ver.di.

Die Gewerkschafter*innen versorgten uns mit leckerer Pizza und heißem Kaffee – dafür ein ganz dolles Danke!!!

Das Festival war ein wirklich gelungenes Event und in so ätzenden Zeiten von AfD, Pegida, bis hin zu fast täglichen rassistischen Übergriffen auf geflüchtete MENSCHEN, war es bei guter Musik ein tolles Gefühl, so viele Gleichgesinnte zu treffen und mit ihnen zu feiern.

Unsere Henna-Tattoos kamen übrigens richtig gut an – und nicht nur bei Kindern!!!

Hey Uelzen – bis spätestens nächstes Jahr beim 4. Aufstehen gegen Rassismus – Festival!!!

Aug 23

Bewegende Begegnung im Museum Lüneburg

Bereits im letzten Jahr sorgte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist*innen (VVN/BdA) aus Lüneburg für einen ersten Besuch von Angehörigen von Ermordeten und Zeitzeug*innen des Massakers im weißrussischen Ozarichi.

Dort wurden von Teilen der 110. Infanteriedivision, die in Lüneburg aufgestellt wurde, mindestens 10.000 Menschen auf bestialische Weise umgebracht. Teils durch verhungernlassen, teils durch Waffengewalt – einfach sich selbst überlassen, ohne Schutz, mitten in einem bewaldeten Gebiet. Weiterlesen »

Aug 13

Überlebende der Todeslager Ozarichi besuchen Lüneburg

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) Kreisvereinigung Lüneburg informiert in einer Pressemitteilung über den von ihr und dem AK Erinnerungskultur organisierten Besuch einer Delegation von Überlebenden des Todeslagers bei Ozarichi (Weißrussland). Wir geben hier die ungekürzte Pressemitteilung wieder:

Presseerklärung, 13. August 2018

Überlebende der Todeslager bei Ozarichi besuchen Lüneburg

Die Ozarichi-Delegation aus dem letzten Jahr (Quelle: VVN-BdA KV Lüneburg)

Als Kinder wurden sie Opfer eines der schwersten Verbrechen der Wehrmacht gegen Zivilisten überhaupt“. So bezeichnet der Historiker D. Pohl die 1944 bei Osaritschi (Belarus) errichteten Todeslager. Maßgeblich an diesem Kriegsverbrechen beteiligt: Die Lüneburger 110. Infanteriedivision. 74 Jahre später besuchen jetzt sechs Überlebende dieser Lager die Stadt, von der die Katastrophe einst ausging.

Mit ihrem Besuch folgen die drei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 72 und 86 Jahren einer Einladung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) Lüneburg und des Arbeitskreises Erinnerungskultur an der Leuphana-Universität. „Mit unserer Einladung wollen wir den Opfern der NS Terrortaten die ihnen zustehende Wahrnehmung einräumen und die historischen Tatsachen ins Blickfeld rücken“, so Ulrike Waltemade, eine der Organisatorinnen des Besuches.

Zu diesen lange verdrängten Tatsachen gehört, dass die Wehrmacht 1940 u.a. in Lüneburg die 110. Infanteriedivision aufstellte. Von Anfang an beteiligte sich diese Einheit am deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Nahe der weißrussischen Ortschaft Osaritschi errichtete sie gemeinsam mit zwei anderen Divisionen im März 1944 einen Lagerkomplex, der als Todeslager diente. Dorthin deportierten die deutschen Soldaten rund 50 000 Zivilisten: Mütter kleiner Kinder, Kinder, Alte, Arbeitsunfähige, Typhuskranke – im Wehrmachtsjargon allesamt „nutzlose Esser“. Wer nicht schon während der Selektion und der Gewaltmärsche erschlagen oder erschossen wurde, den trieben die Soldaten in ein vermintes Sumpfgebiet ohne jeglichen Schutz durch Gebäude. Dort ließen die Soldaten ihre Opfer planmäßig verhungern, erfrieren und an Thyphus sterben.

Genaue Zahlen der durch dieses Massaker umgebrachten Menschen lassen sich kaum ermitteln. Während weißrussische Quellen von bis zu 20.000 Toten sprechen, werden allgemein etwa 9.000 Tote genannt. Auf Basis dieser Zahl geht der Historiker Christoph Rass „von bis zu 3.600 Todesopfern im Bereich der 110. Infanteriedivision“ (Gutachten 2017) aus. Wer diese Lager überlebte, verdankt seine Rettung der Roten Armee, die die Todeslager zügig befreien konnte.

Nach solchen schlimmen Erfahrungen mit Deutschland und Deutschen betrachten es die Gastgeber in Lüneburg alles andere als selbstverständlich, dass Überlebende der Todeslager jetzt die Einladung nach Lüneburg annahmen. Peter Raykowski von der VVN dazu: „Unsere heutigen Besucher und Besucherinnen waren damals Kinder. Selbst dem Tod knapp entronnen, haben sie neben sich Geschwister, Mütter oder Großeltern sterben sehen. Die Todeslager werden ihr ganzes Leben bestimmt haben. Für uns ist ihr Kommen eine großzügige Friedensgeste!“

Ein prekäres Faktum überschattet den Besuch der Überlebenden in Lüneburg: Am Gralwall steht ein nach dem 2. Weltkrieg errichtetes „Ehrenmal“ für die toten Soldaten der ehemaligen 110. I. D. Die von den Infanteristen Gequälten und Getöteten blendet das Denkmal aus. 1960 hat die Stadtverwaltung dieses Denkmal amtlich in ihre Obhut genommen – wovon sich die politischen Gremien bis heute nicht offiziell distanziert haben.

Die Besucherinnen und Besucher aus Belarus werden sich vom 21. bis 26. August in Lüneburg aufhalten. Ein vielfältiges Besuchsprogramm soll den Gästen interessante Begegnungen und Eindrücke ermöglichen. Höhepunkte sind u.a. eine russisch-sprachige Führung durchs Salzmuseum; der Rathausempfang durch Oberbürgermeister Mädge (22. 8.) und ein öffentlicher „Abend der Begegnung“ im Foyer des Lüneburger Museums (22. 8. ab 19 Uhr). Am 23. 08. Wird die Reisegruppe in der Leuphana-Universität empfangen – dem Ort, wo einst die Ersatztruppen der 110. I.D. stationiert waren. Für Freitag, 24.08., ist ein Besuch der Berufsbildenden Schule (BBS) Winsen mit Zeitzeug_innengesprächen geplant. Am 25.08. steht ein Ausflug nach Hamburg mit Hafenrundfahrt und Besuch des Gedenkortes „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ auf dem Programm, bevor die Gäste dann am 26. 8 über Frankfurt wieder zurück in ihre Heimat reisen.

 

Jul 28

Kraftvolle Demo für Seerettung – trotz erbarmungsloser Hitze

Am heutigen Samstag kamen mindestens 500 Menschen in der Lüneburger Innenstadt zu einer Demonstration zusammen. Ihr Anliegen: Seenotrettung darf nicht als Straftat hingestellt und diffamiert werden, während die Staaten Europas die Menschenrechte mit Füßen treten und Flüchtende Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen – das ist das wirkliche Verbrechen!

Ein breites Bündnis hatte zur Demo, mitten in der Ferienzeit eingeladen und trotzdem kamen so viele Menschen und drückten damit ihren Groll über die Abschottungspolitik und die widerwärtige Polemik von Rechts zum Thema Menschenrechte und Geflüchtete machtvoll aus.

Es ging vom Clamart-Park über den Platz am Sande durch die Innenstadt zum Marktplatz, wo jeweils Zwischenkundgebungen in sengender Mittagshitze, bei ca. 37°C stattfanden.

Zurück demonstrierten die Aktiven durch die Neue Sülze und die Wallstraße, zurück zum Clamart-Park, wo eine Abschlusskundgebung stattfand.

Anschließend, die Teilnehmer*innen waren vermutlich bereits wieder zuhause, brach dann ein Unwetter über Lüneburg herein und brachte Abkühlung.

Jun 20

Falken aus Lüneburg demonstrieren und feiern mit Geflüchteten…

In Horst/Nostorf, das liegt in Mecklenburg-Vorpommern, unweit vom schleswig-holsteinischen Lauenburg, fand am letzten Wochenende eine Kundgebung für Bleiberecht sowie anschließend ein Sommerfest mit den Geflüchteten an der Erstaufnahmeeinrichtung statt. Bei bestem Wetter hatten die Organisator*innen und unterstützenden Organisationen alle Hände voll zu tun.

Der Kleidertausch wurde sehr gut angenommen und die vielen Kinderaktivitäten vom Spielmobil des Landesjugendrigs Mecklenburg-Vorpommern, dem Falken-Flitzer aus Hamburg und nicht zuletzt uns Falken aus Lüneburg brachten den Kindern unglaublichen Spaß.

Hintergrund für das Sommerfest und die damit verbundenen Redebeiträge ist die für die Geflüchteten sehr belastende Unterbringung unter zum Teil sehr unmenschlichen Bedingungen. Die Aufnahmeeinrichtung ist weit entfernt von jeglicher Infrastruktur, sie ist nahezu abgeschottet für Helfende und die dort untergebrachten Menschen beklagen eine nahezu komplette Isolation.

Insofern sind solche Möglichkeiten, wie dieses Sommerfest, eine willkommene Abwechslung für die dort leben müssenden Menschen.

Alle sind sich dabei einig: Solche Isolation ist für keinen Menschen gut und muss sofort abgeschafft werden. Menschen brauchen Kontakte, zumal nach existenzbedrohender Flucht!

Hier ein paar Eindrücke von diesem, für alle, schönen Tag:

Jun 12

Rechte Schöffen auf Liste in Lüneburg. Netzwerk gegen Rechts ruft auf…

Einspruch: Nie wieder Nazis auf Richterbänken! Für ein Recht der Menschenwürde

In seiner Sitzung vom 31. Mai hat der Stadtrat mit seiner Mehrheit zwei bekannte Lüneburger extreme Rechte als Gerichts-Schöffen empfohlen. Die Verwaltung legte die Liste der Schöffen vor, anscheinend ohne Prüfung der Verfassungstreue und unter Missachtung voriger Hinweise. Beide Personen wirken seit vielen Jahren aktiv und öffentlich erkennbar in der extrem rechten-Szene. Der Stadtrat hat von Rechts wegen die Verpflichtung, über die Eignung der jeweiligen Bewerbenden des Schöffenamts zu entscheiden, winkte diese aber in seiner Mehrheit durch. Jetzt liegt die Liste zur Prüfung beim Amtsgericht. Wo der Rat der Hansestadt Lüneburg versagt hat, müssen wir handeln: Wir rufen alle in Lüneburg lebenden Menschen dazu auf, nicht zu schweigen, sich zu wehren und mit uns Einspruch zu erheben!

Bei den beiden Schöffenkandidaten handelt es sich um den Neonazi Holger Schwarz sowie Teja Lechel. Schwarz bewegt sich seit Jahren in regionalen Nazistrukturen und war aktives Mitglied in der NPD, in der Partei „Die Rechte“ und engagierte sich in der NPD-nahen UWL als stellvertretender Vorsitzender. Lechel war in den in der DVU aktiv, nahm an Treffen des extrem rechten „Sozialpatriotischen Bündnis Lüneburg“ teil und besuchte Aufmärsche der NPD. Seit längerem versuchen immer wieder dem Nationalsozialismus nahestehende Personen mit ihrer von Menschenhass geprägten Ideologie, sich als Schöffen zu bewerben, um Einfluss auf den Rechtsstaat zu nehmen.

Im Nationalsozialismus wurde das Recht als Unrecht gegen die Menschenwürde, die Demokratie für diktatorischen Machterhalt, juristische Willkür und Mord missbraucht. Die Justiz wurde formal abgeschafft, politisch Unliebsame kamen ins KZ, hunderttausende wurden zwangssterilisiert, Zwangsarbeit wiedereingeführt, Euthanasie-Morde für rechtens erklärt und Millionen von Jüdinnen und Juden verloren gänzlich ihre Rechte bis hin zu ihrer systematischen Ermordung. Wer sich auf diese Zeit, auch nur in Teilen, positiv bezieht, befindet sich in Gegnerschaft zu den allgemeinen Menschenrechten, dem Grundgesetz und dem darauf aufbauenden Rechtsstaat. Solche Personen sind eine Gefahr für uns alle und gehören nicht auf die Richterbank.

An all jene die den Opfern des Faschismus gedenken, an all jene die lernend aus 1945 „Nie wieder!“ sagen und an all jene die nicht wollen, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung, Geschlecht, Behinderung oder politischen Überzeugung durch rechte Schöffen bedroht werden, richtet sich daher dieser Aufruf:

Unterstützt das Netzwerk gegen Rechts und erhebt mit uns zusammen bis zum 18. Juni Einspruch beim Amtsgericht Lüneburg um die Ernennung von Teja Lechel und Holger Schwarz zu verhindern!

Mai 21

Falken mit Stand beim Coraci-Festival

Die Falken aus Lüneburg und Bleckede hatten ihren Stand schon früh aufgebaut, beim diesjährigen Coraci-Festival. Bei einem attraktiven LineUp und bestem Wetter konnten hier –zusammen mit der Basisgruppe “Lernfabriken …meutern”, in dem wir Falken aktiv sind– Taschen und mitgebrachte T-Shirts gestencilt, Buttons gemacht und tolle Sticker unserer gerade angelaufenen Bundeskampagne “Wir Falken – Dein Widerstand” eingesammelt werden.

Ein total schöner, sonniger Falken-Samstag bei geiler Musik, bester Stimmung und viel Arbeit für diejenigen, die den Stand betreut haben…

 

Alle Fotos: © 2018 MZ und GGS

 

Mai 19

Falken-Lüchow bei Kultureller Widerstandspart(ie)y in Gorleben

Gorleben? Da war doch was?!
Früher einmal als “Entsorgungs”zentrum der Atommafia geplant, mit Wiederaufarbeitungsanlage (WAA), Kraftwerk, Endlager, wurde dann 1979 vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht als “politisch nicht durchsetzbar” zurückgefahren. Trotzdem wurde in Gorleben weiter gemacht: Es entstand eine riesige Zwischenlagerhalle, eine Endlagerbaustelle und schließlich eine Pilotkonditionierungsanlage (PKA).

Die Endlagerbaustelle sollte eigentlich nur zur Erforschung der Eignung des darunter liegenden Salzstocks als Endlager für hochradioaktiven Müll dienen. Mittlerweile ist seit einigen Jahren klar: Es wurde nicht nur geforscht, sondern ein komplett fertiges Endlager ausgebaut.

Und dies alles, obwohl klar ist, dass dieser Salzstock –ohne ein schützendes Deckgebirge und zudem im Bereich von tektonischen Störungslinien– definitiv als Endlager für den mehrere millionen Jahre strahlenden, hochradioaktiven Müll gänzlich ungeeignet ist.

Zeitsprung: 2011 ließen die havarierten Reaktoren in Fukushima deutlich werden, dass es auch keinen wie auch immer gearteten “sicheren” Betrieb von Atomkraftwerken gibt. Sogar die Atomkanzlerin Merkel regte einen langfristigen Ausstieg aus dieser Höllentechnologie an. Dieser zieht sich seitdem und wird – wenn nichts dazwischen kommt – 2022 vollzogen sein.
Woran es noch fehlt und wohl immer fehlen wird: Ein auf jahrmillionen sicheres Lager, in dem der täglich weiter anfallende heiße Atommüll eingelagert werden kann, ohne irgendwann wieder mit der Biospähre in Kontakt zu kommen.

Es hat dazu in den letzten Jahren ein Prozess begonnen, der von einer “weißen Landkarte” spricht. Gemeint ist damit die unvoreingenommene Suche nach dem besten und sichersten Standort für so ein Endlager in Deutschland. Und da Gorleben von den Atomkraftbefürworter*innen seit Anbeginn favorisiert wurde, alle Sicherheitsbedenken (politisch) ausgeblendet wurden und die Latte an Skandalen, rund um die Benennung und den Betrieb dieses Standortes mindestens 10 Klopapierrollen, eng bedruckt füllen würde, bestand von Beginn dieses Neustarts in der Endlagersuche an, die Forderung, Gorleben müsse von diesem Neuanfang ausgenommen sein.

Weit gefehlt: Gorleben bleibt im Topf der möglichen Endlagerstandorte – trotz der klaren Ungeeignetheit.

Und weil das alles so ist, veranstaltet die Bürger*inneninitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) seit Jahren viele Events, Demos, Mahnwachen – und eben auch solche Widerstandspartys.

Die Falken Lüchow sind eng verbunden mit dem Anti-Atom-Widerstand und haben zudem, seit ihrer Gründung im Oktober 2017 im BI-Büro in Lüchow ihren Treffpunkt, immer am 1. Montag im Monat, ab 16:00 Uhr.

Und auch bei der Widerstandsparty waren wir Falken (aus Lüchow, Bleckede und Lüneburg) zahlreich mit einem eigenen Stand vertreten…

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